Dr. Michael H. Mayer M.Sc.

Masern

Die Virusinfektion beginnt mit Fieber, Bindehautentzündung der Augen, Schnupfen, Husten und charakteristischen weißen Flecken im Mund. Der Hautausschlag mit  bräunlich-rosafarbenen, zusammenfließenden Flecken entsteht am 3.-7. Tag nach Auftreten der ersten Symptome.

Eine besonders gefürchtete Komplikation ist die akute postinfektiöse Entzündung des Gehirns mit Kopfschmerzen, Fieber und Bewusstseinsstörungen bis zum Koma. Sie tritt bei etwa 0,1 Prozent der Erkrankten auf, bei 10-20 Prozent der Betroffenen endet sie tödlich, bei weiteren 20-30 Prozent muss mit bleibenden Schäden am Zentralen Nervensystem gerechnet werden.

Eine sehr seltene Spätkomplikation, die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), kann sechs bis acht Jahre nach Infektion auftreten. Nach Literaturangaben kommt es durchschnittlich zu 4 bis 11 SSPE-Fällen pro 100.000 Masernerkrankungen, bei kleineren Kindern ist das Risiko vermutlich größer. Beginnend mit psychischen und intellektuellen Veränderungen schreitet die Panenzephalitis mit neurologischen Störungen und Ausfällen bis zum Verlust lebenswichtiger Gehirnfunktionen fort und endet immer tödlich.

Bei immungeschwächten oder immunsupprimierten Menschen verläuft die Maserninfektion zwar nach außen hin schwach – der Masernausschlag tritt nicht oder nur atypisch in Erscheinung – aber mit schwersten inneren Erkrankungen, etwa einer Form der Lungenentzündung oder Gehirnentzündung, an denen etwa 30 Prozent der Betroffenen sterben.

Laut ECDC erreichen derzeit nur 7 von 29 EU/EWR-Ländern (aus denen Daten vorlagen) die Durchimpfungsrate von 95 Prozent, die nach Schätzung der Experten für eine Ausrottung der Krankheit erforderlich ist. Dafür muss jedes Kind zweimal gegen Masern geimpft werden.

Vor diesem Hintergrund dürfte eine erneute Epidemie nur eine Frage der Zeit sein. Zuletzt hat es 2010/11 in Europa eine Masernepidemie gegeben. Da zur Masernimpfung heute in der Regel ein Dreifach-Impfstoff (MMR) eingesetzt wird, der auch vor Röteln und Mumps schützt, muss aufgrund der niedrigen Impfquote auch bei diesen beiden Erkrankungen mit Epidemien gerechnet werden.

 https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/94715/Masern-Europa-hat-Impfluecken-bei-Kindern-und-Teenagern

 https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/M/Masern/Masern.html