Wie zuverlässig sind HIV-Selbsttests?

„'Kann ich mich mit HIV infiziert haben?' Diese Frage stellen sich viele Menschen", schreibt die Deutsche AIDS-Hilfe. Seit Oktober 2018 sollen HIV-Schnelltests bei der Beantwortung dieser Frage helfen, die in Apotheken, Drogerien oder im Online-Handel frei verkäuflich sind, und die man selbst durchführen kann. Es wird geraten, nur solche Tests zu verwenden, die das CE-Prüfzeichen der Europäischen Union tragen.

Wie zuverlässig sind solche Selbsttests auf HIV? Der Statistiker Walter Krämer weist darauf hin, dass viele Anwender (und leider auch Berater) irrtümlich annehmen, ein positives Testergebnis zeige mit mehr als 99-prozentiger Sicherheit eine HIV-Infektion an. Das stimmt aber keineswegs. Die Wahrscheinlichkeit, bei positivem Test HIV-infiziert zu sein, liegt bei weniger als 8 Prozent.

Krämer illustriert dies an einer Beispielrechnung. Laut Produktbeschreibung liegt die Sensitivität der für gut befundenen Test-Kits bei 100 Prozent, die Spezifität bei 99,8 Prozent. Das heißt, eine HIV-Infektion wird mit praktisch 100-prozentiger Sicherheit angezeigt (Sensitivität), es gibt jedoch eine Quote von 0,2 Prozent falsch positiver Resultate (Spezifität): eine Infektion wird in diesen Fällen angezeigt, obwohl sie nicht vorliegt. Es ist bekannt, dass in Deutschland rund eine von 6000 Personen mit HIV infiziert ist. Bei dieser wird der Schnelltest die Infektion auch 100-prozentig anzeigen. Zusätzlich fällt der Test aber bei 0,2 Prozent von 6000, also 12 Testpersonen, ebenfalls positiv aus (weil die Spezifität eben nur 99,8 Prozent beträgt).

Im Ergebnis haben wir also 13 Personen mit einem positiven Testergebnis, das nur für eine Person zutrifft. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem positiven Test tatsächlich mit HIV infiziert zu sein, beträgt also 1:13 = 8 Prozent.

"HIV-Schnelltests können sinnvoll sein", so Krämer. "Zum verantwortungsvollen Umgang mit ihnen gehört aber, den Menschen verständlich zu erklären, was ein positives Testergebnis wirklich bedeutet."