Befördert LED-Licht das Sterben von Sehzellen?

Ein Beitrag der ARD legt diese Befürchtung nahe, betont die Wirkung von blauem Licht, bleibt jedoch hinsichtlich gesicherter Daten oder wissenschaftlicher Fakten recht vage und eher emotional.

Versuchen wir also einen eigenen Faktencheck.

Die altersabhängige Makulopathie (ARM) und die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) sind in Ländern mit hohem Gesundheitsstandard die häufigste Ursache für schwere Störungen des Sehvermögens. Als Mit-Ursache für diese Erkrankungen könnte auch energiereiches Licht in Frage kommen, das im Lauf des Lebens auf die Macula densa, eine besonders wichtige Zone am Augenhintergrund einwirkt. Ob das so ist, erscheint aber noch unsicher, und genetische Disposition scheint eine größere Rolle zu spielen. (Jane Khan, AMD: Epidemiology and Risk Factors (2013))

Wie energiereich ist Licht aus unterschiedlichen Quellen?
Mittlerer klarer Himmel hat eine Leuchtdichte von ca. 8000 cd/m² ,
eine matte 60-W-Glühlampe ca. 120.000 cd/m² ,
ein Computerdisplay ca. 150 bis 500 cd/m².

Wie hoch der relative Blau-Anteil dabei ist, kann man - angesichts dieser Größenordnungen - zunächst einmal als nachrangig betrachten.

Ob es zulässig ist, kumulative Effekte auf die Macula einfach als Produkt aus Energiedichte mal Zeit zu betrachten, weiß man (noch?) nicht. Wenn man das täte, könnte man natürlich ausrechnen, wie lang jemand auf einen Monitor gucken darf, bis die gleiche Energie auf seinen Augenhintergrund eingewirkt hat wie bei einem Landwirt oder Seemann etc.

Allerdings: Die neuesten Smartphones und Tablets werben mit Leuchtdichte-Spitzenwerten von rund 1200 cd/m² , die sollten also vielleicht nicht regelmäßig stundenlang unter der Bettdecke gelesen werden.

Die Notwendigkeit von Arbeitsbrillen mit Blaufilter, wie sie wohl momentan verstärkt vermarktet werden, lässt sich aus den genannten Zahlen und Daten jedenfalls nicht herleiten.